Ein Obdachloser am Strand… Das Leben ist schwer und hart und meint es nicht gut mit ihm?

Ja, das stimmt!

Ein anderer Mann am Strand… Das Leben ist leicht und schön und meint es gut mit ihm?

Ja, das stimmt!

Leben ist immer alles zusammen!

Manchmal ist es komfortabel und schön, manchmal schwer und hart. Meist zu unterschiedlichen Zeiten, so dass wir von den Polaritäten scheinbar hin und her geschubst werden.
Geht es uns gut, wollen wir möglichst lange in diesem Zustand verweilen.
Geht es uns schlecht, wollen wir möglichst schnell raus aus der Situation.
Lernen findet nur in der Veränderung statt! Klingt provokativ, ist aber nachweislich richtig. Wenn es Ihnen gut geht, möchten sie das erhalten und so lange wie möglich in dieser Komfortzone bleiben – stimmt’s? Systemerhaltung steht im Vordergrund, Veränderung ist nicht erwünscht.
Dann kommt plötzlich das Leben auf die Idee, Sie aus dieser Komfortzone raus zu werfen! Ihr erstes Bestreben dient mit Sicherheit dem Versuch, zum alten Leben zurück zu kehren. Denn das Neue löst erst einmal Angst aus, weil es unbekannt ist. Wir wollen mit aller Gewalt zurück ins Alte, denn da ging’s uns ja so gut. Wirklich gut? War es das Paradies? Oder gab es nicht dort auch negative Aspekte und Schattenseiten?
Wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Fragt sich nur, ob wir ihn sehen wollen. Wenn wir ehrlich sind, gibt es keinen paradiesisch schönen Zustand im Leben. Alles hat immer Vor- und Nachteile!
Das Leben schiebt uns immer wieder weiter. Es ist dynamisch und ohne Stillstand. Vielleicht bietet das Verlassen des Alten und Hinwendung zum Neuen ja auch große Chancen?
Das Leben ruft und wir sollten lernen, diesem Ruf zu folgen. Deshalb mein Tipp: “Raus aus der Komfortzone – rein ins Leben!”
Das gilt auch und gerade beim schwierigen Thema Krankheit, auf das ich gleich näher eingehe.
Zwei Möglichkeiten gibt es zur Umsetzung:
  • freiwillig “auf zu neuen Ufern”… nicht leicht, aber besser als die zweite Variante.
  • unfreiwillig vom Leben dazu gezwungen… meist sehr überraschend und leidvoll
Sie haben die Wahl, so wie immer im Leben!

Was bedeutet eigentlich “Komfortzone”?

Und wo liegen die Vor- und Nachteile?

Die persönliche Komfortzone ist der Bereich, in dem Sie sich sicher und wohl fühlen. Hier kennen Sie sich aus und sehen jede Gefahr schon von weitem und fühlen sich wohl!
Und Gefahr ist immer da, wo Überwindung und/oder Anstrengung anfangen und es eben nicht mehr bequem und sicher ist. Dort beginnt dann Herausforderung aber auch Wachstum.
Die Komfortzone ist einzigartig wie ein Fingerabdruck.
Jeder Mensch definiert sie für sich selbst – wenn er den Mut hat sich damit zu konfrontieren. Viele tun das lieber nicht, denn wenn es eine Komfortzone gibt, gibt es auch eine Nicht-Komfortzone. Und die Möglichkeit des Wechselns!
Der erste Schritt, die Erkenntnis – “es gibt meine Komfortzone” – ist der Wichtigste.
Der zweite ist dann die Frage, “will ich hier bleiben?”
Wenn JA, ist das in Ordnung und hat Folgen. Wenn NEIN, ist das auch in Ordnung und hat ebenfalls Konsequenzen.
Alles im Leben hat übrigens seine eigenen Konsequenzen. Das hören die meisten Menschen auch nicht gerne, aber wenn wir ehrlich sind, erleben wir es alle Tag für Tag.
Was ich auch tue, es bleibt etwas “Ungetanes” zurück. Meine Taten haben Folgen… bis in den banalen Alltag.
  • Mache ich abends mit meinen Freunden eine Party, sind die Freunde zufrieden und ich bin morgens unausgeschlafen. Das hat Konsequenzen, wenn ich z.B Frühschicht habe. Ich komme zu spät oder mache Fehler. Das hat dann u.U. weitere Folgen…!
  • Geh ich früh ins Bett, bin ich am nächsten Morgen ausgeruht, aber die Freunde vielleicht enttäuscht. Auf dem Weg zur Frühschicht, pünktlich wie immer, werde ich vielleicht in einen Unfall verwickelt und lande für ein paar Tage im Krankenhaus. Da könnte man doch jetzt denken, es wäre besser gewesen zu spät zu kommen (siehe oben) dann wäre der Unfall vielleicht nicht passiert.
Zugegeben, diese beiden Situationen sind natürlich konstruiert – aber sie passieren immer irgendwie, irgendwo und irgendwann.
So ist nämlich das Leben, das “lebendig” und immer im Wandel ist – und den Sie so oder so zu verantworten haben.
Tun Sie aus Angst vor möglichen Konsequenzen nichts, ist das ja auch eine Entscheidung… für das “Nichts-Tun”!
Also gibt es auch hier Konsequenzen.
Alles im Leben hat immer und überall Folgen, die der handelnde Mensch zu verantworten hat.
Dem Leben ist es egal, ob Sie sich entscheiden, in der Komfortzone zu bleiben oder sie freiwillig zu verlassen. Oder ob Sie irgendwann zum Verlassen gezwungen werden.
Vielleicht wenden Sie jetzt ein, dass Sie Menschen kennen, die lange in einer schönen Komfortzone leben und denen es nach wie vor gut geht. Darauf habe ich zwei Antworten.
Erstens, wissen Sie, ob es denen hinter den Kulissen wirklich so gut geht, wie es scheint?
Zweitens weiß ich aus der Begleitung vieler Menschen am Lebensende, dass Erkrankungen oft der Schicksalsschlag sind, der zum Verlassen der Komfortzone zwingt. Oft merkt man das aber erst in der Rückschau.
Darauf werde ich später in anderen Beiträgen näher eingehen, das würde hier zu weit führen.
Zurück zum Thema Komfortzone…

Jeder Mensch hat seine eigene Komfortzone, auch der Kranke!

Die Ränder bzw Grenzen verlaufen sehr individuell.
  • Der Job eines Devisenhändlers, der lächelnd vor etlichen Monitoren sitzt, mit Millionensummen jongliert und sichtlich zufrieden ist (oder zu sein scheint), wäre z.B für mich unerträglich, egal wie viel ich verdienen würde.
  • Umgekehrt fühlte ich mich auf der Palliativstation sehr wohl, obwohl ich täglich mit Sterben und Krankheit konfrontiert war. Dort hätte es der Devisenjongleur wohl keinen Tag ausgehalten.

Komfortzonen und das Verhalten darin sind also immer individuell wie ein Fingerabdruck.

In der Komfortzone fühlen wir uns sicher – sind aber auch isoliert oder sogar gefangen. Der sichere Hafen ist immer sicher, aber auch klein. Die große weite Welt ist woanders und unerreichbar.
Wer bindet uns an, hält uns gefangen? …ganz einfach: wir selbst. Sie und Ich und alle Leser ketten sich erst einmal in der Komfortzone an. Bloß nicht herausfallen, das wäre gefährlich.
Auch im Thema Krankheit findet man bei näherem Hinschauen sehr oft Komfortzonen. Die moderne Medizin hat dafür sogar einen Namen gefunden: “Sekundärer Krankheitsgewinn”. Klingt doch schön, oder? Was heißt das genau?
  • Einfaches Beispiel: ich bin gesund und will nicht zur Arbeit gehen. Ich rufe meinen Chef an und sage ihm, dass ich heute keine Lust habe. Die Folgen des Anrufes muss ich nicht näher beschreiben.
  • Andere Szene: ich habe hohes Fieber, rufe meinen Chef an und sage, dass ich nicht kommen kann. Er wünscht mir gute Besserung und mein Fehlen wird toleriert. Mein kleiner “Gewinn im Fieber” ist das Verständnis der Kollegen, wenn ich nicht zur Arbeit erscheine.
Das Beispiel ist zu banal? Gut, es geht auch anders.
  • Ich bekomme überraschend Besuch, der extra eine lange Fahrt auf sich genommen hat, um mich zu überraschen. Ich sage, dass ich sie heute nicht sehen möchte und bitte sie, wieder heim zu fahren. Auch hier muss ich die Reaktion nicht näher beschreiben.
  • Ein Krebskranker auf meiner Station fühlt sich heute schwach und schickt seine Besucher nach Hause, obwohl sie extra seinetwegen weit gefahren sind. Wie reagieren die Besucher in diesem Fall? Alle haben natürlich volles Verständnis.
Bitte verstehen Sie mich richtig: ich möchte das Verhalten nicht werten, sondern nur anhand dieser Beispiele erklären, dass es selbst in schwierigen Krankheitssituationen immer noch eine Art Gewinn (= Komfortzone) geben kann.
Und das geht manchmal sehr weit. Ich habe extreme Patienten erlebt, die mit Hilfe ihrer Krankheit die Familie regelrecht tyrannisiert haben. Und alle Angehörigen hatten vollstes Verständnis dafür. Auch das ist eine Art Komfortzone.
Das alles kann ich hier nur anklingen lassen, denn in der Realität sind die meisten Situationen natürlich viel komplexer als meine etwas plakativen Beispiele.
Ich möchte Ihnen hier nur einige Prinzipien nahe bringen, die Ihnen das Durchschauen der Zusammenhänge leichter machen. So können Sie, liebe Leserin, lieber Leser, egal ob Sie gesund oder krank sind, besser entscheiden, wo Ihr Weg Sie hinführt.

Raus aus der Komfortzone!

Das löst erst einmal Angst aus, weil Sie das gewohnte sichere Umfeld verlassen.
Sichere Grenzen schützen immer – aber sie grenzen auch ab und isolieren. Im sicheren Hafen gibt es keine Stürme, die Ihr Lebensschiff untergehen lassen. Allerdings gibt es auch kein Fortkommen solange Sie als Kapitän nicht die Anker lichten lassen und auslaufen.
Auch hier sehen Sie die beiden polaren Aspekte des Lebens. Schutz und Isolation sind zwei Pole derselben Komfortzone.
Da gibt es allerdings noch einen anderen Teil in uns – manchmal tief im Innern der Seele verschüttet – der will mehr, der will raus aus dem sicheren Hafen auf den großen weiten Ozean und die Welt entdecken…!
Dieser Teil von uns wird aber von dem Komfortzonen-Liebhaber unterdrückt. Der will lieber das Alte behalten, auch wenn es dort manchmal gar nicht so schön ist, wie es scheint. Oft ist es sogar überhaupt nicht komfortabel in dieser Komfortzone! Trotzdem will dieser Bewahrer des Alten uns einflüstern, dass es da draußen gar nicht gut ist, ja sogar, dass es auf dem weiten Ozean gar nichts zu entdecken gibt! Mit aller Gewalt will dieser Charakteraspekt Sie beim Alten behalten und Angst vor dem Neuen machen.
„Lieber die bekannte Hölle als den unbekannten Himmel.“ sagt dieser Bewahrer und Festhalter in uns allen. Hier könnte ich Ihnen stundenlange konkrete Erlebnisse aus meinem Leben oder auch aus dem Leben meiner Patienten erzählen, denn diesen Bewahrer gibt es in jedem von uns!
Der Gegenpol, der Entdecker, der aus dem sicheren Hafen auslaufen will, steht so lange auf verlorenem Posten, bis ein kleiner Impuls kommt, ein kleiner Wassertropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Oder vielleicht kommt auch eine große Krankheit.
Auch diesen Entdecker, der diese Komfortzone langweilig und perspektivlos findet, der sich entwickeln will, Neuland betreten will, gibt es in jedem von uns. In mir, in ihnen und in allen Lesern.

Gönnen Sie sich selbst Frei-Raum!

Egal, ob Sie gesund oder krank, alt oder jung, reich oder arm sind… geben Sie diesem Entdecker in Ihnen den Freiraum, den er haben will. Sagen Sie ihm:
„Du hast recht, lass uns aufbrechen und die Lebensinseln entdecken, die jenseits des Horizonts liegen. Dort wartet Neues! Vielleicht kommt ja etwas Besseres als jetzt?”
Meine Frau und ich haben vor einiger Zeit bei einem Experiment mitgemacht: in einer kleinen Facebook Gruppe gab es alle zwei Tage eine Aufgabe. Wir durften(!) etwas tun, das uns aktiv aus der Komfortzone brachte! Wir sollten etwas ANDERS machen als bisher. Dabei war das Neue nicht besser und das Alte nicht schlechter. Die einzige Bedingung war, etwas zu tun, das wir so noch nie gemacht hatten. In einem anderen Blogartikel “Geben ist mehr als Nehmen” sehen Sie als Titelbild meine Frau, die einen völlig fremden Menschen umarmt. Wir standen damals mit einem kleinen Schild in der Fußgängerzone: “Umarmung zu verschenken!” Die Erlebnisse, die wir hatten, werden wir unser Leben lang nicht vergessen. Wildfremde Menschen weinten vor Glück – und wir weinten mit.
Auch wenn Sie krank sind, finden Sie vielleicht etwas, was Sie bisher noch nie getan haben, vielleicht weil Sie sich nicht getraut haben? Trauen Sie sich! Es lohnt sich.
Auch kleine Schritte raus aus dem Korsett der Gewohnheiten können große Dinge auslösen.
In einem alten Weisheitsbuch fand ich sinngemäß folgenden Satz:
„Beweg Dich Geh, tanze, springe, laufe im Kreis, laufe zurück, tu alles, was Du willst, aber BLEIB NICHT STEHEN!
Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen!